Merkel bei Illner: wie man mit vielen Worten nichts sagen kann
12. Juni 2009 um 16:08 UhrDas ZDF begann die Talkshow bei Maybrit Illner recht mutig. So wurde in einem Einspielfilm Angela Merkel (Bundeskanzlerin, für diejenigen, die sie schon vergessen haben sollten) als Chamäleon dargestellt. Sie legt ihre Fahne in den Wind. Wenn das Volk hören will, dass mal wieder was für die Natur getan werden soll, steht sie neben einem Eisbär am Nordpol. Die Woche später droht der letzte Volkswagen vom Band zu rollen und schon setzt sie sich für neue Luftverpestung ein.
Ja, so ist unsere Angie. Wer erinnert sich nicht an ihre hysterischen Angriffe auf Schröder im Bundestag, als sie alles schlecht geiferte, selbst wenn er eine unmoderen Krawatte trug? Es wurde dann plötzlich ganz still, als sie aus Versehen Kanzlerin wurde. Im ersten Jahr schien sie völlig von der Bildfläche verschwunden zu sein. Sie war eine gute Kanzlerin, denn sie tat nichts - also auch nichts Falsches.
Doch irgendwann bemerkte das Volk, dass es kanzlerlos war. Und dann begann der Ärger. Grundrechte ade und alles, was vorher bei Schröder noch zum Niedergang des deutschen Abendlandes führte, fand das Merkel, wie Freunde sie auch liebvoll nennen, plötzlich ganz toll.
Aber was will Angie nun wirklich? Keiner weiß es. Vielleicht liegt sie deshalb auch bei Umfragen ganz gut im Rennen. Aber Maybrit Illner würde es schon aus ihr rauskitzeln - dachte die Nation. Vor ein paar Tagen bei RTL mißlang das ja. Da erfuhren wir nur, welche Knödel sie am liebsten zu sich nimmt.
Doch es wurde auch im ZDF nichts. Viel Gelaber um nichts. Das einzige Thema war die Finanzkrise. Interessiert die Nation nur noch, wie häufig Opel gerettet wurde? Es würde reichen, wenn sie es einmal deutlich erklären würde, warum sie so und nicht anders gehandelt hat. Aber wieder brachte sie nur die üblichen Phrasen heraus.
Die Marktgesetze würden nicht funktionieren. Und dann müsse der Staat eingreifen, damit sie wieder funktionieren.
Das ist doch Quark. Wenn Marktgesetze angeblich nicht funktionieren, dann stimmt an den Gesetzen grundsätzlich etwas nicht. Dann wäre auch die soziale Marktwirtschaft nicht das richtige System. Oder das Marktgesetz funktioniert durchaus richtig, nur die Rahmenbedingungen sind halt ungeeignet, u.a. auch die durch den Staat erzeugte.
Die Kanzlerin verkauft den Bürger also für dumm. Die Fragen von den Zuschauern betrafen leider auch nur finanzielle Themen (was ist eigentlich mit den Grundrechten, die immer mehr eingeschränkt werden?). Die Frage, ob sie die Mehrwehrsteuer wieder mal erhöhen würde, beantwortete sie mit nein. Muss sie ja sagen, weil sonst die FDP nicht mitregiert. Zumindest verspricht das Westerwelle.
Wie auch letzte Woche, als Steinmeier müde bei Anne Will saß, wirkte auch Angela Merkel kaum lebhafter als Rudolf Scharping im Tiefschlaf.
Wenn man sich also mal unsere beiden Kanzlerkandidaten so anschaut, dann wundert es mich nicht, dass so viele Firmen insolvent gehen. Es fehlt irgendwie ein Motivator.
Hoffen wir auf spannendere Rededuelle in den nächsten Monaten im Superwahljahr. Und dann erwarte ich auch von den Illners dieser Welt mal ein paar provokante Fragen, z.B. diese: warum findet die Regierung eigentlich das System Chinas und Irans so toll, da sie ja deren Zensur- und “Schutz”maßnahmen übernehmen möchte?
Oder warum wird der Familienschutz ausgehöhlt, da binationale Ehepaare nicht ohne weiteres in Deutschland zusammenleben dürfen?
Oder warum wandern aus der BRD mittlerweile jährlich fast so viele Menschen aus wie vor dem Mauerfall aus der DDR?
Die heißesten Fragen der Zuschauer bei Youtube gehen wohl nicht über den Äther. Ich versuche es nächstes Mal.
Also mal etwas Mut, liebe Wills, Illners, Maischbergers und Plasbergs dieser Welt. Ich will keine eingeübten Phrasen, sondern echte Emotionen erleben. Die Moderatoren sollten die Politiker zum Nachdenken anregen, damit diese nach Hause gehen und sagen können: “Mensch, bei der Illner, da habe ich was gelernt”.