Der Requardt: Keine Angst haben nur die Dummen
19. September 2007 um 07:07 UhrSeit Montag läuft auf RTL2 im Vorabendprogramm “Der Requardt”. Er ist eine Art Berater für alle Lebenfragen, wirkt aber aus meiner Sicht manchmal etwas überheblich.
In der ersten Ausgabe ging es um zwei Fälle.
Silvana beklagt sich bei ihrem Freund Sten immer, dass er zu schnell Auto fährt. Sie hat Angst, weil sie schon mal einen Unfall hatte. Er möchte sich aber nicht reinreden lassen, weil er sein Auto im Griff habe. Dabei überholt er aber rechts, fährt dicht auf und hupt. Das nervt Silvana.
Requardt warf sich voll auf die Seite von Silvana, was ich schon mal nicht gut fand. Er meinte zum Schluß, dass Sten vorsichtiger fahren und mehr Rücksicht auf seine Freundin nehmen solle. Er meinte sozusagen, er solle die Ängste akzeptieren. Sten habe nie Angst. Darauf Requardt: “Keine Angst haben nur die Dummen”.
Diesen Spruch halte ich wiederum für dumm. Ängste sind das Übel vieler schrecklichen Dinge. Mit Angst kann man Menschen negativ beeinflussen, auch sich selber. Ich halte es für wichtig, seine Ängste zu besiegen. Allerdings sollte man das nicht mit Übermut oder waghalsigen Aktionen verwechseln. Von daher trifft es in diesem Auto-Beispiel natürlich nicht zu. Silvana sollte ihre Ängste in den Griff bekommen, aber nicht durch schnelles Autofahren, sondern z.B. durch Vertrauen in ihren Partner.
Er wiederum sollte sich tatsächlich einen anderen Fahrstil zulegen. Nicht agressiv durch Auffahren und Hupen. Allerdings sollte er selber wissen, wie er sein Fahrzeug fährt. Reinreden bringt nur Unruhe und wesentlich mehr Gefahr. Es müssen also beide etwas tun, nicht nur Sten. Ein Minsupunkt für Requardt.
Anders im zweiten Fall:
Petra und Peter kommen nicht mit ihrer 12jährigen Tochter klar. Angeblich würde sie keinen Respekt zeigen, nicht aufräumen oder im Haushalt helfen, keine Regeln beachten und rumbrüllen.
Die Filmbeispiele zeigen ein anderes Bild: zunächst schreien die Eltern rum. Die Mutter führt sich auf wie eine Furie. Sie brüllt rum, dass das Kind endlich den Fernseher ausmachen und das Zimmer aufräumen soll. “Nicht, jetzt, später” lässt die Mutter nicht gelten. Ein Klassiker. Eltern können einfach nicht akzeptieren, dass auch Kinder ein eigenes Zeitmanagement besitzen. Und das ist auch gut so. Je früher sie das lernen desto besser ist es für ihre berufliche Zukunft.
Die Mutter kritisiert sogar, dass ihre Tochter eine eigene Meinung habe. Oh, wie böse… Und das soll eine Erziehung sein? Das ist Sklaverei.
Für mich ist die Situation klar: in der Familie herrscht eine agressive Grundstimmung, die von den Eltern kommen. Die Tochter passt sich dem Niveau nur an und zeigt den Eltern einen Spiegel vor. Aber sie sind zu dumm, das zu erkennen.
Dann kam der Vater ins Spiel. In der Woche auf Achse und am Wochenende schlägt er seine Tochter. Er meint “Eine Ohrfeige hat noch niemanden geschadet”. Dabei kann das schlimmer sein als mancher Kindesmißbrauch. Der Vater fordert Respekt, der er aber selber nicht gibt.
Die Tochter sass leider nicht im Studio. Warum nicht. Wenigstens durfte sie 2 Statements abgeben: sie kritisiert das Anschreien und die Gewalt und wünscht sich, dass sich die Eltern trennen.
Requardt sah die Sache genauso wie ich. Er sagte, es sei ein Tabu, seine Kinder zu schlagen. Das machen nur Menschen, die keine Argumente mehr haben.
Interessanterweise äußerte er eine mutige Aussage: “Trennen Sie sich”. Damit liegt er sicher nicht falsch, aber es würde wohl nicht reichen. Auch die Mutter sollte wesentlich ruhiger werden und mit ihrer Tochter vernünftig sprechen. Regeln sollten auch begründet und ggf. diskutiert werden.
Ob die Sendung auf Dauer interessant bleibt hängt wohl auch von den Fällen ab. Der Start war ganz ok. Werktags um 19:00 auf RTL2.