Was für ein Theater. 2 Wochen nach dem Auftritt des Nazometers in der Satire-Show Schmidt & Pocher erhitzen sich Politiker und Zentralräte.
Was war geschehen?
Vorangegangen war die Skandalsendung von Kerner. Eva Herman würdigte dabei frühere Anerkennungen von Müttern. Kerner und zwei Pseudo-Prominente verstanden das aber so, als wenn sie damit auch die Nazis lobte. Das war natürlich totaler Blödsinn. Als Frau Herman dann auch noch den Begriff “Autobahn” in den Mund nahm, um zu sagen, dass sich darüber keiner aufregt, drehte man ihr das Wort im Mund um und es kam zum legendären Ausspruch “Autobahn geht gar nicht”.
Dieser öffentliche Demontage folgte dann der provokante Rauswurf seitens Kerner gegenüber seinem gast Eva Herman.
Natürlich kann man so eine Sendung nur kritisieren oder eben als Satire auffassen. Ein gefundenes Fressen für Harald Schmidt und Oliver Pocher. Mit dem Nazometer wollten sie in lustiger Form aufzeigen, dass man heutzutage fast kein Wort mehr sagen darf, ohne gleich ins recht Lager gesteckt zu werden.
Die zumeist intellektuelle Zuschauergruppe der Show hat den Zusammenhang auch sofort kapiert und auch sich auch nicht darüber aufgeregt. Auch ich fand die Satire äußerst gut gelungen.
Doch es gibt halt Leute, die verstehen nichts mehr.
So äußerte sich Alfred Möhrle (68) vom HR: „Ich bin entsetzt. Die ganze Sendung ist indiskutabel, unerträglich. Wenn die Sendung sich nicht um 100 % bessert, muss man sie rauswerfen!“. Ich empfehle ihm den Musikantenstadtl. Ist wohl eher seine Zielgruppe. Ist amn nicht schon mit 67 Rentner? Nimmt er nicht Jüngeren die Arbeitsstelle weg?
Auch Klaus Husemann vom MDR, mit 64 verhältnismässig jung, ist empört: “Es ist eine Verhöhnung und Beleidigung der Opfer.”
Opfer? In dieser Satire geht es um Kerner und Herman. Opfer ist Eva Herman. Fühlt sie sich beleidigt?
Salomon Kern (64) vom Zentralrat der Juden äußert sich in der BILD: “An der mörderischen Politik des Nationalsozialismus gibt es nichts Witziges”. Da gebenich ihm recht. Hat aber rein gar nichts mit der Sendung zu tun. Er sollte sich lieber mit ursprünglich antijüdischen Gesetzen befassen, die immer noch in der deutschen Gesetzgebung vorfinden (ich sage nur Rechtsberatungsgesetz).
Sehr paradox finde ich die Bemerkung von Filmproduzent Artur Brauner: „Wenn ich einen Zug, einen Güterzug, vorbeifahren sehe, assoziiere ich diesen mit den Güterzügen, die Millionen in den Tod brachten. Wenn ich einen Wald betrete, erlebe ich die Vision von Hunderttausenden, die in den Wäldern mit ihren Händen ihr eigenes Grab schaufeln mussten.” Daher stuft er die Show als diffamierend und profan ein. Da frage ich mich aber: warum fordert er nicht von der Deutschen Bahn die Einstellung von Güterzügen oder die Abholzung aller Wälder?
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass viele Menschen durch ihre Erinnerung immer noch sehr leiden müssen. Doch wollen wir nicht alle, dass es so etwas nicht mehr gibt. Und was haben die Nazis u.a. genommen? Die Meinungsfreiheit. Wenn der Zentralrat der Juden jetzt eine Einstellung der Show fordert, dann handelt sie nicht besser als die damalige Naziregierung. Maulkorb für Andersdenkende.
Und das ist es ja nicht mal. Wer richtig hinhört und mitdenkt, der weiss, wie es Schmidt und Pocher gemeint haben. Und sie werden auch begreifen, was Eva Herman sagen will. Aber die Kritiker verurteilen lieber Menschen aus Dummheit, Nichtwissens oder Beeinflussung. Und das sehe ich als sehr gefährlich an.
Haben Schmidt und Pocher auf die Vorwürfe reagiert? Leider ja. Ok, der Nazometer-Gag war eh ein Auslaufmodell. Aber ansosnten ging man nicht die Spir darauf ein. Und auch sonst wirkten sie in der letzten Ausgabe sehr zahm. Der Maulkorb ist also schon da. Sie wissen: noch ein Gag, dem ein Senior nicht passt und die Sendung wird abgesetzt. Dann lieber brav und harmlos. Erinnert mich irgendwie ans DDR-Fernsehen.
Olli, ich denke, deine Zukunft liegt bei ProSieben. Die lassen sich nicht so einfach was sagen. Und Harald sollte gleich mitgehen. Ihr seid schließlich die Größten!