Maybrit Illner: CDU-Politiker realitätsfremd
Was war das wieder für eine lustige Runde bei Maybrit Illner. Es ging um den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland, der auch wieder mehr Arbeitsplätze bringt - angeblich!
Da war Kabaretist Werner Schneyder, der als außenstehender Ösi mehr Ahnung hat als manch einheimischer Politiker (”wer weniger arbeitet, aht mehr vom Leben”). Denn was Michael Fuchs von der CDU so von sich gab, spottete jeder Beschreibung. Glaubt er doch, Unternehmer könnten keine Leute kündigen, weil Deutschland ein regides Kündigungsschutzgesetz habe. Man nenne mir einen Arbeitnehmer, der nach einer erfolgten Kündigung wieder auf seinem Arbeitsplatz saß. Die Firmen gehen von Instanz zu Instanz und es wird irgendwann zu teuer, um mitzugehen. Dazu kommen Drohungen, Mobbing und hohe Abfindungssummen als Druckmittel. Das Kündigungsschutzgesetz ist ein Witz - nichts anderes.
Und dann sagte Fuchs noch, dass jeder Kranke auch zum Arzt gehe. So so…. Die Krankheitsrate ist aber nicht gesunken, weil jetzt plötzlich alle gesünder sind. Es gibt zwei Gründe: die 10 Euro Praxisgebühr sparen, und der erhöhte Druck, den Arbeitsplatz zu verlieren.
Warum leben manche Politiker so völlig abseits der Realität? Gregor Gysi überzeugt da schon mehr. Vor allem gab er auch mal einige Beispiele, wie man tatsächlich Arbeitsplätze schafft, auch wenn das nicht unbedingt seinem Parteibuch entspricht.
Angesprochen wurden die skrupellosen Zeitarbeitsfirmen, die mal eben Urlaub und Krankheitstage nicht bezahlen. Eine Zuschauerin sprach von ihrer Erfahrung mit einer Firma. Die Chefin einer anderen Zeitarbeitsfirma im Studio sprach von einem Einzelfall. Irrtum! Auch ich hatte mal das Vergnügen mit einer Firma in Hamburg. Wenn man unter Druck steht, willigt man eben auch in die Sklaverei ein. Aber das glauben Politiker ja nicht.
Sehr informativ waren die Statistiken, wie die Stellenausschreibung:
85% der Firmen suchen intern oder über Kontakte
54% nutzen Inserate
36% gehen über Arbeitsagenturen
33% versuchen es über eine private Arbeitsvermittlung
Vitamin B ist also immer noch das wichtigste bei der Arbeitssuche.
Konstruktiv ist der Versuch von Ruth Moschner, die den Verein “Ruth tut gut” gegründet hat. Sie fordert, dass Arbeitsplatz-Beschreibungen transparenter gestaltet werden sollen. In ihrem Verein versucht sie, die Fähigkeiten und Wünsche der Bewerber auszuloten. Endlich mal ein sinnvoller Anssatz.
Einen bösen - aber kaum hörbaren - Fauxpas leistete sich Maybrit Illner, als es um die Deutsche Bank ging, die trotz Riesengewinn erst viele Mitarbeiter entlassen haben und nun wieder suchen. Sie meinte dazu: “Arbeitsplätze, über die wir uns nicht so viel Sorgen machen müssen, denn die waren in London zu Hause”. Das ist natürlich nationalistisches Gedankengut. Als wenn uns Arbeitslose in anderen Ländern nicht interessieren sollten. Liebe Maybritt: in Zukunft ein bißchen vorsichtiger mit solchen Kommentaren.
Nun ist erstmal Sommerpause.